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Clubfahrt 19.-27.9.2020

 

Prolog: Irrungen und Wirrungen

Entgegen offiziellen Aussagen gab es sie doch, die Clubfahrt. Zu Beginn waren es acht Taucherlein, die nach Menorca wollten. Doch Corona machte ihnen einen Strich durch die Rechnung. Zwei sagten: „Wir wollen keine Maske tragen!“ Da waren's nur noch sechs. Dann kam TUI und sagte: „Das wird leider nichts mit Menorca.“ Eine sagte: „Schade, da wollte ich aber hin.“ Da waren's nur noch fünf Taucherlein. Holland? Salzkammergut? Oder die Ostsee? Das war dann die Frage. „Au Backe“ sagte plötzlich der eine, „Nicht ohne meinen Schatz“ sagte die andere. Da waren's nur noch drei. Als sicherster Hafen vor Corona erschien die Ostsee, also ging es da hin. Da meinte unser STL-Ostsee-Vagabund: „Da bin ich dabei!“. Da waren's wieder vier STLer, die sich zur Clubfahrt 2020 zusammengefunden haben.

 

Fehmarn

Der Vorschlag Wracks, Land- und Bootstauchgänge, egal, woher der Wind auch weht, überzeugte. Was passt da besser als eine viereckige Insel wie Fehmarn? Da gibt’s immer eine ruhige Seite zum Tauchen. Gesagt, getan. Gerödel ins Auto und los ging's. Guido und Michael erkundeten zuerst die Tauchbasis „Ostseebasis Hamburg“ auf dem Campingplatz Wulfener Hals, erhielten dort tolle Tauchplatztipps und prüften so vorbereitet die Westküste vom Lande aus. Westermarkelsdorf und Flügge boten bei bester Sicht Mergelfelder und einen geneigten Pfeiler, ein Überbleibsel einer Minenabwehr, der schwer an den schiefen Turm von Pisa erinnerte.

 

Am nächsten Tag haben sich die beiden in der Tauchbasis häuslich mit nummerierter Kiste und persönlichen Bügeln eingerichtet. Dann ging's nach dem Briefing durch Tauchguide Anni auch gleich mit Kapitän Thomas und dem Speedboot zum ersten Wrack, einem Zweimastsegler auf 25 m Tiefe, dicht bewachsen mit Seeanemonen und Seenelken. Hier lugten schon erste Dorschköpfe aus dem Rumpf. Am Nachmittag beim Ausflug zum Dock-Tor, das sich beim Transport von Schweden kurz vor Fehmarn überraschend in ein Wrack von 100 m Länge in angenehmer Tauchtiefe von maximal 15 Metern verwandelt hat, gab es kaum ein Versteck, in dem nicht ein Dorsch lag: Meterlange Dorsche am laufenden Band.

 

Am Abend war das Clubfahrt-Quartett dann vollzählig. Reinhard und Katja waren aus Flensburg zugestoßen. Mit dänischem Smörre Bröd feierten wir unser Wiedersehen im Norden.

Am Morgen steigerten wir uns taucherisch und besuchten den Dreimaster mit gut erhaltener Reling und betauchbaren Ladeluken auf fast 30 m Tiefe: Extrem bescheidene Sicht und Strömung, aber voll bewachsen mit schönen Seenelken und Seeanemonen. Am Nachmittag ging's – diesmal zu dritt mit Katja – nochmal zum Dock-Tor, der Milchstraße der Ostsee, wenn man die Unmengen von Seesternen betrachtet.

Beim Grillabend schickten wir Grüße an die Tauchpartner-Gruppe.

Am nächsten Tag ging es zum letzten Mal mit dem Boot raus zum Prahm Staberhuk, einem Schleppfahrzeug auf der Tiefe von max. 15 m. Neben Seeanemonen, Seenelken und versteckten Dorschen begegnete uns dort erstmals ein Butterfisch, den wir zuerst für einen kleinen gefleckten Aal gehalten haben.  Im Cafe Kontor bewunderten und verspeisten wir die riesigen Tortenstückchen.

 

Zum sportlichen Ausgleich ging es mit den Fahrrädern zur Südostspitze Staberhuk, zu einem Leuchtturm, der auch schon Ernst Ludwig Kirchner zu einem Bild animiert hat.

Dort inspizierten wir den nahegelegenen Tauchplatz, an dem wir dann am Abend – ohne Fahrräder, aber mit Tauchzeug – den ersten Nachttauchgang erlebten. Der war ne Wucht! Steinpicker, Seenadeln, Seestichlinge, Garnelen, Seezungen, Seeskorpion – das Who's Who der Ostsee!

Nach dem Tauchgang stand bereits fest, dass unsere Trockentaucher da am nächsten Abend nochmal hinwollten. Die Begeisterung war so groß, dass Zweifel aufkamen, ob eine 12-Liter-Flasche ausreichen würde, um die ganze Fischfülle in aller Ausführlichkeit betrachten zu können – bei einer Tauchtiefe von maximal 5 m.

Davor wurde aber am Morgen nochmal ein Landtauchgang an der Ostküste beim Katharinenhof gemacht. Die üblichen Verdächtigen wurden angetroffen.

Um auch den ornithologischen Highlights gerecht zu werden, haben wir nochmal eine Radtour unternommen. Goldfasane, Blässhühner, Kiebitze, Watvögel, Enten aller Art – und alle auf sichere Foto-Entfernung. Einzig einige Enten auf dem Wasser ließen uns näher ran – wohlwissend, dass man sich bei 17 Grad Wassertemperatur nicht so einfach ins Wasser stürzt.

Abends dann nochmal Nachttauchen satt mit Aal und allen oben erwähnten Fischen.

 

Verlängerung

Auch bei dieser Clubfahrt gab es Verlängerungsmöglichkeit: Einmal für Landgenießer die Ostsee-Idylle auf Fehmarn oder für Tauchfreaks ein Abstecher nach Hemmoor zum Kreidesee.

 

Hemmoor

Schon die Anfahrt zum taucherischen Hotspot im Küstenhinterland zwischen Hamburg und Cuxhaven sorgte für Aha-Effekte: wir streiften Buxtehude (ja, das gibt's wirklich), durchquerten Gemeinden mit klangvollen Namen wie Düdenbüttel und kamen zuletzt noch durch Himmelpforten (ja genau, dort wo das Christkind wohnt).

Der Kreidesee in Hemmoor bietet eine gute Sicht vergleichbar mit dem Walchensee, unter Wasser jagende Vögel, Forellen in Hechtgröße, Spots: wie den Rüttler, den LKW, das Flugzeug oder Autokarosserien ..., mehr als man an einem Wochenende betauchen kann. Und einen Wald unter Wasser findet man auch nicht überall. Die Tauchbasis vor Ort ist ausgestattet mit einer gigantischen Kompressoranlage, bei der man nach fünf Minuten seine Flasche frisch befüllt zurückerhält. Trotz Schlange stehen, keine langen Wartezeiten.

 

Die Ostsee-Idylle auf Fehmarn

Katja und Reinhard erkundeten noch einen weiteren Tag die schöne Insel mit dem Auto und zu Fuß.

Erstes Ziel war der Ort Orth an der Süd-Ost-Küste. Ein kleiner Hafen und - wie rundrum auf Fehmarn aber auch immer wieder anders - schöne Küste.

Danach gings weiter zur Kirche in Petersdorf. Das Nabuzentrum in Wallnau, das  – sehr zu unserem Leidwesen – schon geschlossen hatte, macht Lust auf einen zweiten Besuch. Der Küstenspaziergang in Westermarkelsdorf bot wieder einen unvergesslichen Sonnenuntergang.

Zurück in Burg hatten wir dann auch ordentlich Hunger. Leider suchten wir uns da das falsche Lokal raus. Schwamm drüber.

Aber insgesamt war es ein sehr schöner Landausflug mit Zielen, die man nochmal und mit mehr Zeit besuchen möchte, und Zielen, die man diesmal überhaupt nicht geschafft hat.

 

Fazit

Fehmarn und Hemmoor – Tauchziele, die wir wärmstens empfehlen können. Eine Woche Sonne, Wassertemperatur nicht unter 17 Grad, gute Unterkünfte, leckere Speisen und vor allem abwechslungsreiche Tauchplätze.   

 

Danksagung

Vielen Dank an Elsbeth fürs Reinhören in die Club-Gefühlslage, die Zusammenstellung der Angebote und die Planung der balearischen Höhlenfahrt, die wir auf jeden Fall nachholen wollen.

 

 

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